Unsere Geschichte

Die Geschichte des Kirchenchores St. Katharina Niedererbach

Gründerjahre

Schon vor 1926 hatte es in Niedererbach wohl einen Kirchenchor gegeben, denn dieser verschönte am 8. Januar 1923 „die Feier durch ernst würdigen Gesang während des Amtes“ bei der Goldenen Hochzeit der Eheleute Johann Jacob Neuhaus und Elisabeth geborenen Nink – so vermerkt durch Pfarrer Johannes Führer im Jahre 1924 in der Pfarrchronik von St. Katharina Niedererbach.

Weiter notierte er:

„Ich besaß ein einfaches Harmonium, das ich 1926 gegen die geringe Vergütung von 50 Mark der hiesigen Schule als Eigentum übergab. Das Instrument sollte verwendet werden für die Einübungen der kirchlichen Gesänge der Schulkinder, für die Gesangsübungen des hiesigen Kirchenchores und wenn erforderlich, auch für das Einüben kirchlicher Gesänge des hiesigen weltlichen Gesangvereins. (…). Den Betrag von 50 Mark habe ich am 25.2.1927 vom Kirchenchor aus dem Erlös von zwei öffentlichen Aufführungen erhalten. Der Chor ist schriftlich von mir benachrichtigt, dass das Harmonium Eigentum der hiesigen Schule ist und von wem und für welche Zwecke es gebraucht werden soll.“

Der erste Auftritt des Chores  fand in der Christmette 1926 statt; vorgetragen wurden einige deutsche Weihnachtslieder.

„Der eingeschlafene Kirchenchor ist unter der Leitung des jetzigen zweiten Lehrers Ernst Wolf als gemischter Chor zu neuem Leben erwacht, hält fleißig Gesangsübungen und will an Ostern 1927 zum ersten Mal eine Choralmesse singen. Die besten Wünsche an den Chor auf diesem Weg!

Nachtrag
Die Leistungen des Chors an Ostern und besonders am II. Ostertag, ein Jubiläum des Pfarrers, waren vortrefflich und fanden allgemein Anklang!“

In der Chronik des Kirchenchors schreibt der erste Schriftführer des Chores, Josef Egenolf:

„… In einer späteren Versammlung wurde der Name unserer Kirchenpatronin, der heiligen Katharina, gewählt. Infolgedessen führt der Chor offiziell den Namen „St. Katharina “. Möge der Kirchenchor seiner Beschützerin und Namenspatronin jederzeit zur Ehre gereichen!“

Ostern 1927 feierte Pfarrer Johannes Führer sein 25jähriges Priesterjubiläum; ihm zu Ehren sang der Chor eine „Engelmesse“, op. 40, von Ernst Kohler.

Unter der Leitung von Lehrer Ernst Wolf nahm der Chor einen raschen Aufschwung. Immer mehr Sängerinnen und Sänger wurden aufgenommen. An den hohen kirchlichen Feiertagen Ostern, Weihnachten und Pfingsten, an Kirchweih und beim Patronatsfest wurden vierstimmige Messen mit Orchester oder mit dem Musikverein Egenolf aufgeführt.

1928 fand die erste Weihnachtsfeier statt. „Beim dort ausgeschenktem Kaffee hatten die Damen des Chores an Malz nicht gespart. Bei der zweiten Tasse sah man schon die erhitzten Gesichter und bei jedem Trunk erklomm man die Leiter, auf deren oberster Stufe Fröhlichkeit stand!“

1930 wurde der Mitgliedsbeitrag von 20 auf 25 Pfennige im Monat erhöht. Die Erhöhung war für einen Fahnenfonds bestimmt.

An Ostern 1932 bestand der Kirchenchor fünf Jahre: „Es wurde eifrig geprobt und zur Ehre aller sei es hier geschrieben, jedes Mitglied tat alles, was in seinen Kräften stand.“

Bei der Einführung des neuen Gesangbuches 1932 musste der Chor bahnbrechend mitwirken.

Am 29. Juni 1935 starb der Niedererbacher Pfarrer Johannes Führer in Montabaur im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. Der Kirchenchor sang beim feierlichen Requiem; bei der Beerdigung trug der Chor u.a. „Ein Priesterherz ist Jesu Herz“ v. Höhler vor, ein Lied, das zu vielen Gelegenheiten gesungen wurde und die enge Verbundenheit des Pfarrers mit seiner Gemeinde zu der damaligen Zeit zeigte.

Der sehr beliebte und als Dirigent gelobte Lehrer Wolf wurde 1935 versetzt, sein Nachfolger wurde Lehrer Otto Schreiner.

Kriegsjahre

Auch auf den Kirchenchor warf schließlich der 2. Weltkrieg seine Schatten, zeitweise wurden Probentätigkeit und Auftritte völlig eingestellt.

Während der außerordentlichen Kältetage im Januar und Februar des Jahres 1942 wurden die Übungsstunden abgesetzt…

Die Primiz des später im Krieg gefallenen Priesters Heinz Schiffgen aus Steinbach, der in Niedererbach eine zweite Heimat gefunden hatte, brachte neuen Auftrieb; der Chor sang wieder regelmäßig bei den Festgottesdiensten der Gemeinde. Jedoch fehlten durch die Kriegsereignisse die in der Chronik oft beschworene „heilige Begeisterung“ und natürlich auch viele Männerstimmen, sodass der Gesang an Weihnachten 1943 als schwarzer Tag in die Geschichte des Chores einging.

Nachkriegsjahre bis 1971

Nach dem Krieg gingen die Proben wieder regelmäßig weiter; beim Kirchweihfest 1945 traten die Männer des Kirchenchores als Männerchor auf. Am Patronatsfest am 25. November sang der Chor in der Frühmesse und im Hochamt.

1947 wurde das Weihnachtsprogramm des Chores  am 5. Januar als kirchenmusikalische Andacht noch einmal wiederholt — ein erstes Konzert sozusagen und unter Mitwirkung des damaligen Domkapellmeisters Pabst an der Orgel — ein großer Erfolg für den Chor, von dem der Chronist mit Begeisterung berichtete.

Im weiteren Verlauf des Jahres sang der Chor an Karfreitag, im Hochamt am Ostersonntag, am Weißen Sonntag, an Fronleichnam, am Christkönigsfest, beim Patrozinium und an Weihnachten (hier sang der Chor ein Weihnachtsoratorium von H. Müller, das von Jugendlichen auch bildlich dargestellt wurde).

Einen Merkstein in den gesanglichen Aufführungen des Chores bildete wohl das Kirchweihfest am 26. August 1951.

Aufgeführt wurde eine Pastoralmesse in G Dur von Karl Kempfer.

… und mancher auswärtige Besucher wird staunend vor einer solchen Leistung gestanden haben. Auch viele ortsansässige Kritiker, die sonst die Messe nur ungern besuchen, wenn der Kirchenchor singt, mussten diese Leistung anerkennen.

Im Dezember 1952 gab es Unstimmigkeiten im Chor, die durch eine Diskussion um den Standort der Orgel verursacht wurden – sollte sie in der Kirche weiter auf der Seitenbühne oder auf der Hauptbühne stehen? Der damalige Kirchenvorstand lehnte einen Verlagerung der Orgel auf die Hauptbühne ab. Nur wenige Sängerinnen und Sänger hielten zusammen mit dem jungen Gottfried Bendel das Chorleben aufrecht.

Infolgedessen gibt es zwischen 1952 und 1958 nur unzusammenhängende Einträge in der Chronik. Nachdem Lehrer Schreiner 1956 in den Ruhestand versetzt wurde und Gottfried Bendel für die Proben und Aufführungen als Dirigent einsprang, übernahm Lehrer Gelhard 1957 den Chor, 1958 wurde Adam Bender 1. Vorsitzender. Auch das gesellschaftliche Leben blühte wieder auf. Vor dem Krieg waren Ausflüge meist verbunden mit Wanderungen und kurzen Bahnfahrten. Im Aufschwung der 6Oiger Jahre konnten dann Busfahrten unternommen werden, z. B. nach Rüdesheim am Rhein und nach Kröv an der Mosel.

1960 trat Adam Bender aus gesundheitlichen Gründen zurück. Nach ihm übernahm Theodor Höhn das Amt des 1. Vorsitzenden bis 1966. In diesem Jahr löste ihn Berthold Bender ab. Nach Lehrer Gelhard leiteten Gottfried Bendel, Hans Werner Weimar, Werner Dernbach und Günther Pörtner den Kirchenchor.

Chorgemeinschaft Cäcilia – St. Katharina

1971 war die Mitgliederzahl so geschrumpft, dass der Kirchenchor nicht mehr auftreten konnte. Nach vielen Beratungen stimmten die Sängerinnen und Sänger des Kirchenchor dem Zusammenschluss mit dem Männergesangverein Cäcilia Niedererbach 1896 zu, der mit den gleichen Problemen zu kämpfen hatte.

Die ersten großen Auftritte der neu gebildeten Chorgemeinschaft „Cäcilia – St. Katharina“ waren beim Gruppensingen am 19. September 1971 in Berod und bei der Primiz von Pfarrer Günter Daum am 12. September 1971 in der Niedererbacher Pfarrkirche St. Katharina.

1976 feierte die Chorgemeinschaft ihr 80- bzw. 50jähriges Jubiläum. Das Fest wurde allerdings durch den plötzlichen Tod des Vorsitzenden Berthold Bender am Tage danach überschattet.

Bei der Verabschiedung des langjährigen Pfarrers der Gemeinde und Präses des Chores ‚ Herrn Pfr. Karl Bellinger, sang der Chor am 1. November 1977 eine Orgelmesse sowie das Ave verum und das Tantum ergo von Mozart. Auch bei der Einführung des Nachfolgers, Pfarrer und Dekan Franz Kissel von Nentershausen am 26. Dezember 1978, wirkte die Chorgemeinschaft Niedererbach mit.

Die Jahresberichte zeigen ein vielfältiges Engagement: Mitgestaltung der kirchlichen Hochfeste, Chor- und Kirchenkonzerte, Ständchen, Gruppensingen des deutschen Sängerbundes, Bezirks- und Dekanatssingen — nicht zu vergessen Ausflüge, Familienabende, Weihnachtsfeiern und auch Kappensitzungen, die teilweise in eigener Regie durchgeführt wurden, waren und sind feste Bestandteile des Chorlebens.

Am 1. September 1980 wurde Pfarrer Toni Sode Präses der Chorgemeinschaft. Bis zu seinem viel zu frühen Tod am 3. Juli 1999 setzte er sich mit ganzem Herzen für die Chorgemeinschaft ein. Ob zu Ostern, Weihnachten, zum Kirchweihfest, aber auch zu weltlichen Konzerten oder zur Jahreshauptversammlung des Vereins: wann immer es ihm möglich war, nahm Toni Sode an den Veranstaltungen der Chorgemeinschaft mit Freude teil.

Ein schwerer Schlag ereilte die Chorgemeinschaft am 8. Mai 1992:

Nach längerer schwerer Krankheit verstarb Werner Dernbach, der die Chorgemeinschaft von Anfang an geleitet und der das Chorleben in Niedererbach über einen Zeitraum von 27 Jahren mitgestaltet hatte. Die Chorgemeinschaft gedachte seiner in einem Gottesdienst am 7. Juni 1992.

Thomas Wagner übernahm am 1. Juni 1992 das Amt des Dirigenten. Die Chorgemeinschaft nahm in Folge am 29. Mai 1994 zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder an einem Wettstreit teil, der auch prompt zu einem vollen Erfolg wurde. Unter der Leitung von Thomas Wagner nahm das Chorleben in Niedererbach innerhalb kürzester Zeit einen großen Aufschwung.

Aufgrund beruflicher Veränderungen beendete Thomas Wagner seine Dirigententätigkeit im August 2004. Als krönenden Abschluss trug die Chorgemeinschaft anlässlich der Kirmes die Spaur-Messe von Mozart vor, die großen Anklang bei den zahlreichen Besuchern des Kirmeshochamtes fand.

Seit September 2004 steht die Chorgemeinschaft unter der fachkundigen Leitung von Chordirektor Wolfgang Tüncher. Durch seine fundierte musikalische Ausbildung gelingt es ihm, dem Chor immer wieder neue Facetten der Musikliteratur anzueignen. Wir hoffen, dass wir noch lange gemeinsam musizieren können und freuen uns auf alle neuen Herausforderungen, die das Sängerleben so interessant macht!

Zurück nach oben